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Interview Finanzkommunikation

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 07.11.2011

Interview mit Uwe von Padberg, Präsident und Vorsitzender des Gesamtvorstandes des Verbandes der Vereine Creditreform e. V.

Der Begriff Finanzkommunikation ist in aller Munde. Warum beschäftigen sich immer mehr Unternehmen mit diesem Thema?

von Padberg: Finanzkommunikation hat sich längst zu einer unternehmerischen Pflichtübung entwickelt, der auch über das Ende der Wirtschaftskrise hinaus ein fester Platz im unternehmerischen Handeln des Mittelstandes in Deutschland gebührt. Unabhängig von der Unternehmensgröße besteht das übergeordnete Ziel darin, die eigene Bonität und Kreditwürdigkeit zu kommunizieren und damit die Finanzierungsmöglichkeiten auszubauen und zu verbilligen. Wer das erreichen möchte, muss Finanzkommunikation als einen permanent wichtigen Prozess zur Unterstützung der Unternehmensfinanzierung und der Imagebildung begreifen und mit Leben füllen. Und ganz davon abgesehen betreibt ohnehin jedes Unternehmen Finanzkommunikation – ob es nun will oder nicht. Selbst der hartnäckigste Informations- und Transparenzverweigerer stellt seinem eigenen Unternehmen ein – in diesem Fall schlechtes – Zeugnis aus, das von Dritten interpretiert und bewertet werden kann.

Welche konkreten Ziele verfolgt der deutsche Mittelstand mit der jeweils betriebenen Finanzkommunikation?

von Padberg: Dazu haben wir rund 4.200 mittelständische Unternehmen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die eingangs genannten Hauptziele – Kommunikation der eigenen Bonität und bessere Finanzierungsbedingungen – in verschiedene Unterziele differenzieren lassen, deren Bedeutung von den befragten Unternehmen durchaus unterschiedlich beurteilt wird. Sehr große Bedeutung wird demnach der Sicherung der Unternehmensstabilität, dem Auf- und Ausbau eines Vertrauensverhältnisses zum Kapitalgeber, Finanzierungssicherheit und dem Aufbau einer guten Reputation beigemessen. Jeweils rund zwei Drittel der befragten Unternehmen nennen die Verbesserung der Bonitätsbewertung für das eigene Unternehmen, die Minimierung der Kapitalkosten, die Steigerung des Unternehmenswertes und die Minimierung der bereitzustellenden Sicherheiten als weitere sehr wichtige oder wichtige Ziele der Finanzkommunikation. Auffällig ist, dass die Streuung von Kapitalquellen für weniger als die Hälfte der befragten Mittelständler eine große oder sehr große Bedeutung hat. Hier zeigt sich, dass die Unternehmensfinanzierung zumindest in Teilen des Mittelstandes weiterhin durch das Hausbankprinzip geprägt wird.

Wer sind die Adressaten mittelständischer Finanzkommunikation?

von Padberg: Die Komplexität des Themas Finanzkommunikation – und damit verbunden die Anzahl der relevanten Institutionen oder Personengruppen als unmittelbare Adressaten für Maßnahmen der Finanzkommunikation – steigt mit der Größe des Unternehmens. So beschränkt sich die Gruppe der Adressaten bei kleinen Unternehmen in der Regel auf die Hausbank, den eBundesanzeiger, Wirtschaftsauskunfteien, Kreditversicherer und Leasing-Gesellschaften. Gerade für Gründer sind auch Förderbanken von Interesse. Schon bei mittleren Unternehmen kommen aufgrund des höheren Finanzierungsbedarfs, der größeren Anzahl der zur Verfügung stehenden Finanzierungsinstrumente sowie gesetzlicher Vorgaben zusätzlich weitere Interessengruppen hinzu. Zu nennen sind hier vor allem Ratingagenturen, Factoring-Gesellschaften, weitere Banken, Anbieter von Mezzanine- oder Venture-Kapital sowie Lieferanten und Kunden. Aufgrund der stärker ausgeprägten Kapitalmarktorientierung unterliegen große Unternehmen darüber hinaus etwa börsenrechtlich geregelten Pflichtveröffentlichungen wie Ad-hoc-Mitteilungen. Gerade in der letztgenannten Gruppe kann das Ausmaß der betriebenen Finanzkommunikation den Organisationsgrad von systematisch betriebenen Investor Relations mit eigenen Investor Relations-Einheiten erreichen.

Der Bankkredit ist für viele kleine und mittlere Unternehmen weiterhin ein wesentlicher Finanzierungsbaustein. Welche Veränderungen sind hier zu erwarten?

von Padberg: Die regulatorischen Vorschriften an die Kreditinstitute werden nochmals verschärft. Mit der Einführung strengerer Kapitalanforderungen für Kreditinstitute durch Basel III müssen Banken bei der Kreditvergabe mehr Eigenkapital und Liquidität vorhalten und zukünftig eine fristengerechte Refinanzierung sicherstellen. Mittelfristig könnte sich dadurch das Kreditangebot einiger Banken verringern. Weitere Folgen könnten unter anderem Änderungen bei den Konditionen, die Kürzung von Kreditlinien und eine Neubewertung von Sicherheiten sein. Gerade bei bonitätsschwächeren mittelständischen Unternehmen kann es durch Basel III zu Finanzierungsengpässen kommen. Unternehmen, die dieser Entwicklung entgegenwirken wollen, können sich über eine offene Finanzkommunikation gegenüber ihrer Hausbank aktiv in die Steuerung ihres Kreditratings einbringen.

Was müssen die Unternehme dafür tun?

von Padberg: Grundvoraussetzung für eine effektive Zusammenarbeit mit der Bank sind Kenntnisse über die Funktionsweise und die Einflussfaktoren des bankinternen Ratingsystems. Denn neben den klassischen Finanzkennziffern berücksichtigen moderne Ratingsysteme bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit auch Kriterien wie Managementqualität, Marktumfeld, Investitionsplanung oder unternehmensspezifische Risiken. Stellt ein Mittelständler seiner Hausbank hierzu regelmäßig aktuelle Kennzahlen zu seinem Unternehmen zur Verfügung, ist die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gelegt. Mit klarer Sicht auf die tatsächliche Lage des Unternehmens können dann mögliche Finanzierungsszenarien entworfen werden, die der jeweiligen Unternehmenssituation gerecht werden.

Welche Rolle spielen Wirtschaftsauskünfte in der mittelständischen Finanzkommunikation?

von Padberg: Sie sind ein zentrales Element der Finanzkommunikation. Auskunfteien kommt über die Auskunftserteilung an potenzielle Geschäftspartner eines Unternehmens die Rolle eines Multiplikators der Unternehmensbonität zu. Eine gute Auskunft trägt dazu bei, die Verhandlungsposition im Bankgespräch zu verbessern sowie die Finanzierungsmöglichkeiten eines Unternehmens auszubauen und zu verbilligen. Gleichzeitig ist die positive Auskunft ein gewichtiges Argument, wenn mit Lieferanten über Zahlungskonditionen verhandelt wird. Zudem ist die Identifikation von Geschäftspotenzialen einerseits und Geschäftsrisiken andererseits im Rahmen des Risikomanagements für Unternehmen von vitalem Interesse. Die zurückliegende Wirtschaftskrise hat dieses Interesse noch einmal verstärkt, da etwa die Gewährung von Lieferantenkrediten durch gestiegene Ausfallrisiken und die Eintrübung des Zahlungsverhaltens zunehmend riskanter wurde. Die Unternehmen stehen daher aus wohlverstandenem Eigeninteresse und unabhängig von der konjunkturellen Lage in der Pflicht, den Geschäftsverkehr untereinander durch die Identifikation, Bewertung und Steuerung von Risiken abzusichern. Daher sind Wirtschaftsauskünfte wichtige Bestandteile im Risikomanagement praktisch aller namhaften Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen sowie Finanzdienstleister. Unverzichtbar sind sie für unzählige kleine und mittlere Unternehmen, um Lieferungen und Leistungen abzusichern sowie die Bonitätsentwicklung wichtiger Geschäftspartner zu beobachten.

Wie können die Unternehmen Wirtschaftsauskünfte konkret einsetzen?

von Padberg: Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und erstrecken sich über verschiedene Phasen einer Kundenbeziehung. In Marketing und Vertrieb helfen sie, bonitätsstarke Kundenpotenziale zu identifizieren. Bei neuen Geschäftsverbindungen tragen Informationen zu den aktuellen Stammdaten, zur Adresse oder den gesetzlichen Vertretern dazu bei, einen Geschäftspartner besser kennen zu lernen. Angaben zur Ausfallwahrscheinlichkeit und zum empfohlenen Kreditlimit ermöglichen die risikoadäquate Konditionierung der Geschäftsbedingungen. Im Geschäft mit Bestandskunden erfüllen Wirtschaftsauskünfte eine Frühwarnfunktion durch Monitoring, denn risikorelevante Veränderungen der Kunden- oder Lieferantenbonität werden automatisiert gemeldet. Und zu guter Letzt eignen sich die Informationen aus der Wirtschaftsauskunft auch zur Steuerung im Forderungsmanagement, indem Einzelmaßnahmen in Mahnwesen und Inkasso für jeden Schuldner individuell angepasst werden können.

Welche Informationen benötigt Creditreform von den Unternehmen, damit diese Steuerungsprozesse greifen können?

von Padberg: Zusätzlich zu den über öffentliche Quellen verfügbaren Informationen bitten wir die Unternehmen gezielt, weitere risikorelevante Daten wie die vollständigen Jahresabschlüsse zur Verfügung zu stellen. Die Unternehmen haben es über eine transparente Finanzkommunikation selbst mit in der Hand, dass sich Creditreform ein möglichst umfassendes Bild von der Bonität eines Unternehmens machen kann. Im direkten Austausch wird schnell klar, ob bereits alle bonitätsrelevanten Daten zum Unternehmen vorliegen. Dazu bittet Creditreform die Unternehmen regelmäßig, an der Aktualisierung der Daten in der Auskunft mitzuwirken und eine so genannte Selbstauskunft in Form eines Fragebogens auszufüllen. Legt ein Unternehmen ergänzende Informationen vor, die bisher nicht mit in die Bonitätsbeurteilung eingeflossen sind, kommt es zu einer erneuten Berechnung auf Basis der erweiterten Informationsgrundlage.



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