Startseite        Häufig gestellte Fragen (FAQ)        Impressum        Downloads        Sitemap


  Wir über uns Leistungsspektrum News & Termine Info-Center Mitgliedschaft
 
Info-Center
Fachartikel & Checklisten
Unternehmensführung
Unternehmensfinanzierung
Kreditmanagement
International Business
Wirtschaftsinformationen
Marketing
Recht und Steuern
Forderungsmanagement
Systeme & Beratung
Online-Rechner
Lexikon Forderungsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Aktuelle Wirtschaftsforschung
Creditreform Akademie
Kontakt-Center

Ansprechpartner in Leer
Informationsmaterial anfordern
Beratungstermin vereinbaren
Anfahrt & Routenplanung

Direktruf: +49 (0) 491 97 98-20
Newsletter abonnieren
 

Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Unternehmensführung Risiken richtig managen

Risiken richtig managen

Creditreform Unternehmermagazin

Neuss, 02.08.2010


Betriebsunterbrechungen, Transportschäden, Produktrückrufe – noch immer werden viele Risiken gerade von Mittelständlern notorisch unterschätzt

Escada, Hugo Boss, Strenesse: Wer diese Modemarken transportiert und lagert, kommt an einem professionellen Risk Management nicht vorbei. "Wenn eine Lkw-Ladung ausfällt, weil sie gestohlen oder verschmutzt wurde, können die Artikel wegen der dichten Lieferketten nicht mehr nachproduziert werden", mahnt Erich Höly, Qualitätsmanager der Spedition Barth & Co in Hallbergmoos. "Wir müssen dann haften."

Als Höly mit dem Maklerunternehmen Aktiv Assekuranz die Schadensfälle der vergangenen Jahre untersuchte, machten sie ungenügende Ladungssicherungen als Hauptursache für Transportschäden aus. Jetzt muss die Arretierung im Ladungsprotokoll festgehalten werden. Außerdem förderten die Analysen einen ungenügenden Versicherungsschutz zu Tage. Weil Barth & Co Näh-, Bügel- und andere Zusatzleistungen anbietet, welche die Haftpflichtversicherungen nicht abdecken, handelte Aktiv Assekuranz eine Zusatzpolice mit Haftungsobergrenzen pro Artikel und gedeckelten Haftungssummen im Jahr aus.

Wer Betriebe auf mögliche Gefahren hin untersucht, welche durch fahrlässige Mitarbeiter, fehlerhafte Produkte oder unzureichende Policen drohen, wird häufig fündig. Für ein professionelles Risiko Management sprechen auch gesetzliche Vorgaben wie das Kontroll- und Transparenzgesetz (KonTraG), welches zumindest Kapitalgesellschaften zu Vorbeugemaßnahmen verpflichtet, sowie die Qualitätsmanagementsysteme wie Din EN ISO 9001ff, die nur mit Strategien zur Risikominderung und -begrenzung überzeugen.

Auch das Regelwerk von Basel II, das erhöhte Unternehmensrisiken mit verkürzten Kreditlinien oder erhöhten Finanzierungskosten "bestraft", ist ein handfestes Argument für Risiko Management. "Solche formalen Zwänge haben jedoch vermutlich dazu geführt, dass Risiko Management in erster Linie als lästige Pflichtübung verstanden wird und nicht als leistungsstarkes Instrument zur Unternehmensführung", fürchtet Henrik Löffler, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Funk RMCE in Hamburg.
 

Firmengebäude unterversichert

Vor allem viele mittelständische Betriebe haben sich über Präventionsmaßnahmen bislang nur wenige Gedanken gemacht. Allenfalls jedes zweite kleinere und mittlere Unternehmen investiert bislang in Risiko Management, schätzt Bernd Meyer, Geschäftsführer der Gothaer Risk Management GmbH in Köln. Dabei sollten jedem Inhaber und Geschäftsführer schon bei kurzem Nachdenken zahlreiche Ereignisse einfallen, welche die betriebliche Existenz massiv bedrohen könnten.

Außer insolventen Lieferanten und kreditunwilligen Banken kommen höhere Gewalt, fehlende Nachfolgeregelungen, einbrechende Marktpreise sowie volatile Rohstoffindices und Wechselkurse in Frage. Vor allem zwei Risiken werden Meyer zufolge notorisch unterschätzt – Betriebsunterbrechungen und Produktrückrufe –, für die jedes Unternehmen einen Plan in der Schublade haben sollte. Zudem: "Viele Firmengebäude sind gegen Katastrophen unterversichert, weil ihr Wert vor Jahren ermittelt worden ist und Anschaffungen oder Erweiterungen nicht berücksichtigt wurden", klagt der Experte.

Je häufiger Versicherungsfälle auftreten, desto dringlicher wird ein Risiko Management. Vor allem Pkw- und Lkw-Flotten stehen wegen ihrer beträchtlichen Folgekosten im Fokus. Außer Reparaturen sowie Umsatz- und Gewinnausfällen müssen Selbstbehalte, Fahrzeugwertminderungen Prämienerhöhungen und unversicherte Transportschäden berücksichtigt werden. Ohnehin bringt jeder Schadenfall eingespielte Betriebsabläufe durcheinander, weil Mitarbeiter mit Schadensaufnahmen, Anwaltstelefonaten und sonstigen "Aufräumarbeiten" beschäftigt sind. "Viele indirekte Kosten tauchen in keiner Bilanz auf", gibt Meyer zu bedenken.
 

Schadensdefinitionen greifen zu kurz

Ein Risiko Management, das diesen Namen verdient, muss auch nicht versicherbare Gefahren erfassen, die nur mit betrieblichen Anweisungen, Weiterbildungen, Umstrukturierungen und Strategiewechseln vermieden oder vermindert werden können. Marktkennern zufolge werden zwei von drei Bedrohungen durch vorhandene Sachschadendefinitionen nicht gedeckt. Außerdem beeinflussen aktuelle Ereignisse die Ergebnisse. Weil derzeit viele Banken Gelder nur bei Vorlage einer detaillierten Liquiditätsplanung vergeben, müssen Faktoren, welche die Zahlungsfähigkeit beeinträchtigen, heute stärker gewichtet werden als noch vor zwei Jahren.

Jedes professionellen Risiko Managements beginnt mit einer Personalentscheidung. An einem hauseigenen Risiko Manager, der die Koordination sowie Kontrolle aller Aktivitäten übernimmt, führt kein Weg vorbei. Außer dem Inhaber oder Geschäftsführer selbst kommen der Controller, der Sicherheitsbeauftragte, der Logistikmanager oder ein anderer leitender Mitarbeiter hierfür in Frage. Völlig bei Null fängt kaum ein Unternehmen an.

Vor allem Fachabteilungen, die für die Qualität von Produkten und Dienstleistungen verantwortlich sind, werden erfahrungsgemäß immer wieder mit Kunden-Audits und -Anfragen konfrontiert. "Wichtig ist eine Stabstelle, welche der Unternehmensleitung direkt unterstellt ist", betont Roland Erben, Vorsitzender der Risk Management Association (RMA) in München. Wenn außerdem eine Business-Intelligence-Software vorhanden ist, welche Risiken identifiziert, analysiert und bewertet, kann die neue Abteilung mit ihrer Arbeit gleich beginnen.

Regelmäßige Produktübersichten veröffentlicht übrigens das Business Appication Research Center der Universität Würzburg (www.barc.de) "Wer erstmals ein betriebsweites Risk Management startet, sollte die Einschaltung eines Dienstleisters prüfen", rät Erben, der selbst als freiberuflicher Berater arbeitet. Außer Assekuranzen wie Allianz, Gothaer oder HDI Gerling haben in den letzten Jahren auch große Versicherungsmakler wie Aon Jauch & Hübener oder die Funk Gruppe in entsprechende Beratungsleistungen investiert.

Kein Wunder: Die Versicherungsvermittlerrichtlinie der EU, die 2007 in Kraft trat, verschärft die Haftung von Maklern, wenn der Kunde fehlerhaft beraten oder unzureichend versichert wird. Bleibt die Frage, ob der bisherige Geschäftspartner in der Versicherungswirtschaft auch der geeignete Risiko Manager ist. Viele Unternehmen haben wohl auch wegen drohender Interessenkonflikte neue Partner gewählt.

Allerdings hoffen sie unterschwellig, dass mit dokumentierten Sicherheitsmaßnahmen Versicherungsprämien gesenkt werden können. Am leichtesten fällt dies erfahrungsgemäß bei Fahrzeugflotten. Wenn die Schadensquote infolge Mitarbeitergesprächen, neuen Fahrzeugtechnologien oder zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen sinkt, wirkt sich dies früher oder später auch auf die Prämien aus.

Weitaus schwerer fallen die Verhandlungen bei Policen, die nur selten in Anspruch genommen werden. Die Versicherer bestehen auf konkreten Stärke-Schwäche-Analysen. Wenn der Kunde wirklich Geld sparen will, soll er die Einführung oder die Erhöhung von Selbstbehalten prüfen. Professionelle Risiko Manager setzen deshalb auf den errechneten Gesamtrisikoumfang (siehe Kasten). Wenn dieser tatsächlich niedriger als die Risikotragfähigkeit des Unternehmens ist – also ausreichend Liquiditätsreserven vorhanden sind – können sich Versicherer kaum verweigern.

Mit einem solchen Procedere erreichte der Konfitürenhersteller Zentis, Aachen, eine spürbare Reduzierung der Prämie für die Betriebsunterbrechungsversicherung. "Wir konnten mit einer ganzheitlichen Risikobetrachtung die bisher nur mittels eines Formblatts abgefragten Daten qualitativ erheblich aufwerten", zieht Michael Köstler, Leiter Finanzwirtschaft, Bilanz. Allerdings geben sich die Rheinländer als "Freund hoher Selbstbehalte" zu erkennen. Auch deshalb sind die Verhandlungen über eine Prämiensenkung relativ reibungslos verlaufen.

Checkliste: So halten Sie Risiken in Schach

  • Risiko Manager gehen Schritt für Schritt vor. Als erstes analysieren sie in Gesprächen mit leitenden Mitarbeitern, ob das Unternehme alle Gesetze und Verordnungen einhält. Vor allem die Regelwerke der Europäischen Union (EU) werden erfahrungsgemäß gerne übersehen.

  • Anschließend werden Lieferanten- und Kundenverträge inklusive der Pflichtenhefte auf versicherbare Haftungsrisiken untersucht und alle betrieblichen Abläufe hinterfragt. Wenn etwa durch veränderte Arbeitsprozesse und Lagerpositionen weniger Umläufe entstehen, spart dies nicht nur Kosten, sondern mindert auch das Unfallrisiko. Oft genug werden hierbei Kleinigkeiten entdeckt, an die bislang niemand gedacht hat. Ein häufig übersehenes Risiko sind beispielsweise Ladestellen von Gabelstaplern direkt neben Regelwänden, in denen brennbaren Produkte gelagert werden.

  • Am Ende des Risiko Managements steht ein Workshop mit dem Vorstand. In "Best Case"- und "Worst Case"-Szenarien werden Schadenspotenziale und verteilungsorientierte Risiken wie Kosten- und Preisschwankungen dargestellt. Anhand von repräsentativen Stichproben und Branchenkennzahlen errechnen Risiko Manager, wie wahrscheinlich ein Schadensfall tatsächlich ist. Auf Basis dieser Vorhersagen wird der Gesamtrisikoumfang des Unternehmens kalkuliert. "Wichtig ist das Zusammenwirken der Einzelrisiken", betont Henrik Löffler von Funk RMCE. "Wenn beispielsweise ein Unternehmen Produkte zurückruft, muss es Imageprobleme einkalkulieren, welche weitere Umsatz- und Gewinnverluste nach sich ziehen."

  • Nach dem Risiko Management ist vor dem Risiko Management. Spätestens nach einem halben Jahr sollte jeder Betrieb analysieren, ob zu den bekannten Risiken neue hinzugekommen sind.

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Stefan Bottler



   Seite: drucken  |  weiterempfehlen  |  verlinken Bookmark and Share
 
Verwandte Themen

 Schwarzer Peter
 Aktuelles a. d. Steuerrecht 08/10
 Buendnis_Liquiditaet
 Per Brief zu mehr Umsatz und mehr Kunden
 Wie kommuniziere ich mit meiner Hausbank
Creditreform News

15.05.2012 - SchuldnerKlima-Index Deutschland mit 102,3 Punkten im Frühjahr 2012 auf stabil-positivem Niveau mehr

15.05.2012 - Aktuelle Analyse zur Wirtschaftslage im österreichischen Mittelstand mehr

24.04.2012 - CEG Creditreform Consumer GmbH firmiert um in Creditreform Boniversum GmbH und positioniert sich neu mehr

16.04.2012 - Aktuelle Analyse: Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2012 mehr

23.03.2012 - Creditreform Beiträge zur Wirtschaftsforschung Nr. 15 mehr

Alle bundesweiten Meldungen
 
  Veranstaltungshinweise
 
 23.05., Düsseldorf - Effizientes Debitorenmanagement mehr
 
 23.05., Hamburg - Sichere Geschäfte im Ausland - von der Vertragsgestaltung bis zum Zahlungseingang  mehr
 
 24.05., Düsseldorf - Professionelles Liquiditätsmanagement - Liquidität als wichtigste Steuerungsgröße mehr
 
 19.06., München - Risiko Kundeninsolvenz: Ihre Möglichkeiten als Gläubiger mehr
 
 19.06., Oberhausen - Creditreform energy & risk mehr
 
 
  Kontakt | | Disclaimer | Datenschutz | Downloads | Sitemap    
       
  © 2011 Creditreform Leer Bolte KG | Hauptstr. 16 | D-26789 Leer
Tel.: +49 (0) 491 97 98-20 | Fax: +49 (0) 491 97 98-250 | E-Mail: info@leer.creditreform.de