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Offenheit gefragt

Finanzpartnerschaft erfordert heute weitaus mehr an wechselseitiger Kommunikation als noch vor der Krise. Daran werden sich sowohl Betriebsinhaber als auch Bankinstitute gewöhnen müssen.

Das obligatorische Halbjahresgespräch mit dem für ihn zuständigen Bankmitarbeiter fand für Jochen M. als Inhaber eines Mittelbetriebes in einer für ihn ungewohnten Atmosphäre statt. Einerseits war das Gesprächsklima mit seiner langjährigen Hausbank wie eigentlich immer recht angenehm, andererseits las er zwischen den sprichwörtlichen Zeilen, dass es offenbar doch den einen oder anderen "Knackpunkt" gibt. Erst als M. seinen Gesprächspartner konkret darauf ansprach, wurde dieser deutlich. Offensichtlich wurde ihm zunächst ein wenig verübelt, dass M. seinem Steuerberater in der Vergangenheit strikt untersagte, auf Anrufe der Bank zu aktuellen Fragen seiner wirtschaftlichen Situation sofort zu reagieren und stattdessen ihn selbst erst einmal von diesen Anrufen in Kenntnis zu setzen. Seine Bank bat M. bereits vor Jahren, diesem Vorschlag zuzustimmen, um "keine wertvolle Zeit zu verlieren". M. war dagegen der Meinung, dass relevante Fragen zunächst mit ihm selbst zu klären seien.

Außerdem gibt es bankseitig offenbar Irritationen darüber, dass der pro Quartal erstellte Finanzstatus seines Betriebes grundsätzlich erst rund vier Wochen nach dem jeweiligen Stichtag zum Quartalsende erstellt und der Bank zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus, auch dieser Punkt wurde in der Vergangenheit von seiner Bank zumindest sporadisch angesprochen, war M. bisher eher zögerlich, wenn es um weitergehende betriebliche Informationen etwa über Strategien zur Gewinnung möglicher Neukunden mit entsprechendem Umsatzpotential ging.

Im Ergebnis sah M. den Umfang seiner Kommunikation mit dem Kreditinstitut bisher offenbar nicht mit der Intensität, die seine Bank von ihm erwartete. Während des erwähnten Gesprächs machte ihm sein Gesprächspartner darüber hinaus deutlich, dass es nach wie vor "nicht gut ankommt", dass M. bei kurzfristigem Liquiditätsbedarf mehr oder weniger ohne Rücksprache seinen Überziehungskredit auf dem Geschäftskonto über das Limit von 50.000 Euro hinaus "einfach in Anspruch nimmt". Die Bank hat das in der Vergangenheit zwar immer geduldet und entsprechende Überweisungsaufträge zugelassen, ein Fortschreiben dieser Situation für die Zukunft soll es nach dem Gespräch allerdings nicht mehr geben. Auch daran ließ der Bankmitarbeiter keinen Zweifel. In diesem Zusammenhang erhielt M. von seiner Hausbank immer wieder Umschuldungsvorschläge, um seine finanzielle Gesamtsituation langfristig zu ordnen. Eine angemessene Rückmeldung hat es von M. hier zumindest nach Meinung des Kreditinstitutes nicht gegeben.

M. sieht die Situation naturgemäß anders und argumentiert aus seiner Sicht, dass ohne Zustimmung der Bank weder Überweisungsaufträge ausgeführt worden noch Verlängerungen der Betriebsmittelkredite erfolgt wären. So ist er davon überzeugt, dass die angeführten Problembereiche allesamt keinesfalls die Bedeutung haben, die ihnen von der Bank nun beigemessen werden. Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass es so gut wie keinen Schriftverkehr gibt, der auch nur auf einen dieser Punkte Bezug nimmt. Das einzige Schreiben, an das sich M. erinnern kann, beinhaltet lediglich die Bitte seines Kreditgebers, den jeweiligen Finanzstatus kurzfristiger zu übergeben. Aber auch hier erfolgte bisher weder eine schriftliche Mahnung noch ein mündlicher oder telefonischer Hinweis mit der Bitte um Erledigung.

Der Bankmitarbeiter machte nach dieser ausführlichen Darstellung seines Kunden auch sofort deutlich, dass er und sein Arbeitgeber ausdrücklich auf eine auch zukünftig partnerschaftliche Geschäftsverbindung Wert legen und dass die angesprochenen Punkte von M. zunächst als Diskussionsvorschläge gesehen werden sollten. Weiterhin "…sei es selbstverständlich, dass auch die Bank ihren Teil zu einer Verbesserung der Kommunikation beitragen müsse".

Check-Liste: So führen Sie Bankgespräche

  1. Vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftslage sollten Unternehmer darüber nachdenken, ob und in welcher Form sich die Finanzkommunikation mit ihrer Hausbank verbessern lässt. Dazu kann beispielsweise die zeitnahe Übermittlung wirtschaftlicher Daten wie betriebswirtschaftliche und bilanzielle Auswertungen, Steuererklärungen und Steuerbescheide ebenso gehören wie Informationen über strategische Planungen des Betriebes.

  2. Zu einer anspruchsvollen Kommunikation gehört auch die rechtzeitige Information des Kunden über kurzzeitige Liquiditätsprobleme und die damit meist verbundene Bitte um eine vorübergehende Erhöhung des Kontokorrentkredites auf dem Geschäftskonto. Details dazu sollten also jeweils kurzfristig mit dem Kundenberater der Hausbank abgestimmt werden.

  3. Darüber hinaus interessiert es den Kreditgeber natürlich, wenn Umsätze und Gewinne von den Planvorgaben abweichen. Die Bank sollte auch bei diesen wichtigen Punkten auf dem Laufenden gehalten werden. Rechtzeitig informiert kann gegebenenfalls Beratung und Hilfestellung geleistet werden.

  4. Gemeinsam mit dem jeweiligen Kundenberater sollte darüber hinaus festgelegt werden, in welchen Abständen auf Orientierungsgespräche Wert gelegt wird, in denen nahezu sämtliche Aspekte behandelt werden, die mit der wirtschaftlichen Seite des Betriebes zu tun haben. Dies sollte die Hausbank als vertrauensvoller Partner aber auch als Bringschuld sehen, um ihrem Kunden eigeninitiativ Optimierungsvorschläge zur Festigung der Kundenbeziehung vorzustellen wie zum Beispiel Kreditalternativen, Verbesserungsvorschläge zu Rating beziehungsweise Scoring oder Hinweise auf betriebliche Strategien.

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Michael Vetter



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