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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Forderungsmanagement Identifikation von Scheinfirmen: Wie erkennt man Scheinfirmen?

Identifikation von Scheinfirmen

Der zunehmende Bedarf an Finanzierungen und die ohnehin schwierige Unternehmensfinanzierung hat besonders mittelständische Unternehmen dazu veranlasst, verstärkt das Instrument Leasing einzusetzen und Sach- und Investitionsgüter mit überschaubaren Werten nicht mehr selbst anzuschaffen, sondern zu leasen.

Die typischen Leasingobjekte sind hauptsächlich Kraftfahrzeuge, Nutzfahrzeuge, Maschinen für die Produktion und IT Anlagen. Gerade in dieser Größenordnung kommen die Vorteile des Leasings zum tragen. So wird unter anderem die Liquidität geschont und über die Leasing-Raten werden die Kosten der Investition nach dem "Pay as you earn" Prinzip über die Zeitspanne verteilt, in der mit dem Leasing-Objekt Erträge erwirtschaftet werden. Folglich werden Möglichkeiten für betriebliche Innovationen geschaffen.

Nach den Hochrechnungen des ifo Institutes erreichte 2008 das Neugeschäft 57,1 Mrd. Euro; die Leasing-Investitionen stiegen um 3,3 Prozent.

Doch genau dieser positive Effekt wird entscheidend durch Betrugsaktivitäten gestört.

Die Häufigkeit betrügerischen Handelns innerhalb der Kredit- und Leasingbranche, insbesondere bei Banken und Leasinggesellschaften der Automobilwirtschaft sowie Investitionsfinanzierern, hat in den letzten Jahren, speziell im Hinblick auf den GmbH-Mantelbetrug, weiter zugenommen.

So häufen sich bei den Automobilbanken und den Leasinggesellschaften Betrugsdelikte wie unzulässige Veräußerung des Leasing-Objektes, Kfz-Verschiebung, unzulässige Untervermietung oder Verpfändung, Wertebetrug durch Finanzierung von Schrott-, Unfall- oder Lagerobjekten zu überhöhten Werten, Lieferbetrug durch Luftfinanzierung oder Täuschung über den Lieferumfang.

Zwei Beispiele aus der Vergangenheit, die Fälle Flowtex und Balsam, zeigen zudem, dass systematische Betrügereien nicht selten in Großinsolvenzen münden.

Welche Maßnahmen können die betroffenen Wirtschaftzweige treffen, betrügerische Absichten frühzeitig zu erkennen? Auf welche Kriterien ist zu achten?

Briefkastengesellschaften und Scheinfirmen

Eine Briefkastengesellschaft – im Volksmund auch Briefkastenfirma – ist eine Gesellschaft, die an ihrem satzungsgemäßen Sitz nur einen Briefkasten unterhält, während die eigentliche Geschäftsbesorgung an einem anderen Ort stattfindet. Briefkastengesellschaften existieren vornehmlich im Rechtskreis des Common Law. Für gewöhnlich dienen Briefkastengesellschaften der Anonymität und der Steuergestaltung. Heutzutage ermöglichen sie es vor allem innerhalb der EU, die stark regulierten kontinentalen Rechtsformen (wie zum Beispiel die deutsche GmbH) zu umgehen und so zum Beispiel Stammkapital zu sparen. Darüber hinaus werden solche Gesellschaften auch gern zum Zweck der Steuerhinterziehung und Verschleierung von Geldströmen, sowie zum Zweck des Betrugs oder anderer Straftaten eingerichtet. Im Mittelpunkt des Gründungsgeschehens stehen dabei Staaten, in denen keine Strafverfolgung zu befürchten ist, beziehungsweise in denen liberale Steuergesetzgebungen herrschen (sogenannte Offshore Länder).

Eine Scheinfirma stellt hingegen eine weitere Steigerung gegenüber den gerade geschilderten Sachverhalten dar. Hierbei handelt es sich um eine Gesellschaft, die in Wirklichkeit überhaupt nicht existiert. Regelmäßig erfolgt die Verwendung von Namen oder Adressen zur Anonymisierung beziehungsweise zur Vorspiegelung von Seriosität. Dabei werden häufig bewusst Ähnlichkeiten zu tatsächlich existierenden, namhaften Unternehmen und/oder deren Adressen hergestellt. An der Geschäftsadresse wird keinerlei unternehmerische Tätigkeit entfaltet. Die Firma verfügt in diesem Fall nur über einen Postbevollmächtigten, der die eingehende Post an die Geschäftsführung weiterleitet. Scheinfirmen werden nahezu ausschließlich für illegale Zwecke genutzt.

Häufig nutzen "Briefkästen" oder Scheinfirmen Business Center, um ihre betrügerischen Handlungen auszuführen. Durch eine Konzentration nachfolgender Indikatoren und deren Kombination untereinander lässt sich eine "Betrugsaffinität" ableiten.

  • Wurde die Gesellschaft mit einem Firmenmantel gegründet?
  • Hat in den letzten Monaten ein Wechsel des Geschäftssitzes, des Geschäftsführers und/oder des Geschäftszwecks stattgefunden?
  • Hat das Unternehmen eine ausländische Gesellschaftsform (Ltd., Inc., Schweizer AG/GmbH, SA, ect.)?
  • Handelt es sich bei dem Geschäftsführer um eine auffällig junge/alte Person oder eine Person, die in keinem örtlichen oder sachlichen Zusammenhang mit dem Unternehmen steht ("Strohmann")?
  • Tritt die Firma öffentlich in Erscheinung (Internet, Branchenbuch, Telefoneintrag)?
  • Ist der Geschäftssitz in einem Business Center domiziliert?
  • Handelt es sich bei dem Business Center um einen Briefkastenfirmenanbieter oder um ein seriöses Business Center?
  • Gibt es außer dem Business Center weitere Kontaktadressen?
  • Handelt es sich bei den telefonischen Kommunikationsmöglichkeiten nur um Mobil- und/oder virtuelle Internetrufnummern?
  • Sind dem Business Center weitere Korrespondenzpartner, Adressen und Erreichbarkeiten bekannt?



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