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Startseite News & Termine Creditreform News Online-Archiv Archiv 2009 Aktuelle Analyse: Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2009

Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2009

Geschäftslage im Mittelstand schlechter als im vergangenen Jahr - Herbst 2009 aber im langjährigen Durchschnitt

Neuss, 07.10.2009

Die Geschäftslage im deutschen Mittelstand ist im Herbst 2009 schlechter als vor einem Jahr, aber leicht positiver als noch im Frühjahr. Jedes dritte Unternehmen (32,8 Prozent; Vorjahr: 46,9 Prozent) bewertet die aktuelle Geschäftslage mit gut oder sehr gut. 11,0 Prozent vergeben schlechte Noten – doppelt so viele wie im Vorjahr (5,4 Prozent). Der Saldo aus negativen und positiven Einschätzungen zum Stimmungsindikator Geschäftslage büßt gegenüber dem Herbstwert 2008 (plus 41,5 Punkte) deutlich ein, notiert mit plus 21,8 Punkten aber im Bereich des langjährigen Mittelwertes (plus 24,0 Punkte).

Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe brechen ein – Binnenmarkt sorgt für stabilere Entwicklung

Am schwersten hat die Wirtschaftskrise den industriellen und handwerklichen Mittelstand getroffen. Nachdem im vergangenen Herbst noch gut jedes dritte Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe (35,0 Prozent) von Umsatzsteigerungen berichtete, ist dieser Anteil in diesem Jahr auf knapp ein Fünftel (19,3 Prozent) zurückgegangen. Fast jedes zweite Unternehmen (49,2 Prozent; Vorjahr: 22,2 Prozent) musste ein Umsatzminus hinnehmen. Im Fahrzeug- und Maschinenbau (66,7 bzw. 61,8 Prozent), im Verkehrs- und Logistiksektor (60,4 Prozent) sowie in der Chemiebranche (53,3 Prozent) findet sich ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Betrieben mit Umsatzrückgängen.

Der starke Umsatzeinbruch im Verarbeitenden Gewerbe verschlechtert die Umsatzbilanz des Mittelstandes insgesamt: 37,1 Prozent der befragten Unternehmen erleiden einen Rückgang ihrer Einnahmen (Vorjahr: 19,1 Prozent). Trotz Rezession meldet immerhin jeder vierte Betrieb (25,2 Prozent; Vorjahr: 34,7 Prozent) einen Umsatzzuwachs; darunter überdurchschnittlich viele Bauunternehmen. Die staatlichen Konjunkturpakete haben die Binnenkonjunktur gestärkt und in dieser Branche für eine stabilere Entwicklung gesorgt. So sind innerhalb der Hauptwirtschaftsbereiche vor allem im Baugewerbe viele Unternehmen (28,3 Prozent; Vorjahr: 37,2 Prozent) zu finden, die Umsatzsteigerungen erzielten. Im Einzelhandel sind es 27,5 Prozent (Vorjahr: 39,7 Prozent), im Dienstleistungssektor 27,2 Prozent (Vorjahr: 33,5 Prozent). An die guten Werte des Vorjahres kommt aber keiner der Hauptwirtschaftsbereiche heran.

Mehr Neueinstellungen als erwartet – Beschäftigungspolitik des Mittelstandes wandelt sich

19,9 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben im Verlauf der zurückliegenden sechs Monate die Mitarbeiterzahl erhöht – 22,4 Prozent mussten Personal abbauen. Damit haben doppelt so viele Unternehmen neue Mitarbeiter eingestellt, wie im Frühjahr 2009 ausgesagt worden war. Damals wollte nur jeder zehnte Befragte die Belegschaft innerhalb der kommenden Monate ausweiten.

Infolge der Wirtschaftskrise hat sich die Personalpolitik des Mittelstandes verändert: Die Arbeitskräftenachfrage geht stärker als in der Vergangenheit in Richtung flexiblere Beschäftigungsformen. Von denjenigen Firmen, die im Herbst 2009 Personalaufstockungen vornahmen, haben 74,0 Prozent neue Mitarbeiter in Vollzeit eingestellt; im Jahr zuvor waren es noch 84,0 Prozent. Von 10,8 auf 16,1 Prozent zugenommen hat der Anteil der Unternehmen, die sich mit Teilzeitkräften verstärkten. Wenn Personal abgebaut wurde, versuchten die Betriebe ihre Fachkräfte, die meist in Vollzeit beschäftigt sind, zu halten. Zwei Drittel der Unternehmen (67,8 Prozent; Vorjahr: 74,3 Prozent) trennten sich dennoch von Festangestellten.

Positive Personalpläne bei Dienstleistern – im Verarbeitenden Gewerbe droht weiterer Abbau

Die weiteren Personalpläne der Unternehmen sind von Zurückhaltung geprägt. Die überwiegende Mehrheit (72,6 Prozent) möchte die derzeitige Belegschaftsgröße unverändert lassen; jeder Neunte (10,9 Prozent; Vorjahr: 16,9 Prozent) plant eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl. Auf Zuwachs ausgerichtet sind die Personalplanungen am ehesten im Dienstleistungsgewerbe: Datenverarbeitung (plus 14,0 Punkte) sowie personenbezogene und unternehmensnahe Dienstleister (plus 10,5 bzw. plus 7,0 Punkte) weisen einen positiven Saldo aus einstellungsbereiten Unternehmen und solchen, die verringern wollen, auf. Im Verarbeitenden Gewerbe (Saldo: minus 13,0 Punkte) droht dagegen eine Fortsetzung des Stellenabbaus.

Erwartungen besser als die Lage – Investitionsbereitschaft signalisiert Zuversicht

Die Umsatzprognosen für die kommenden sechs Monate zeigen gegenüber der aktuellen Lage eine Verbesserung. Innerhalb des deutschen Mittelstandes ist dabei eine Zwei-Klassen-Gesellschaft festzustellen: 20,7 Prozent (Vorjahr: 29,0 Prozent) der Unternehmen haben das Konjunkturtal bereits durchschritten und rechnen mit einem Umsatzanstieg. Jeder Vierte (25,2 Prozent; Vorjahr: 15,9 Prozent) befürchtet eine negative Umsatzentwicklung. Hier steht die wirtschaftliche Erholung weiterhin aus.

Die Investitionsbereitschaft der mittelständischen Betriebe liegt mit 40,9 Prozent (Vorjahr: 46,6 Prozent) im langjährigen Durchschnitt (41,2 Prozent). Der Großteil des Rückgangs zum Vorjahr wird vom deutlichen Einschnitt im Verarbeitenden Gewerbe verursacht. In der Industrie ist der Anteil der Unternehmen, die ein Investitionsvorhaben planen, von 54,3 auf 40,9 Prozent gesunken.

Gewinnrückgänge und schlechteres Zahlungsverhalten lassen Eigenkapitaldecke schmelzen

Anders als die moderaten Umsatzerwartungen sind die Gewinnprognosen der Mittelständler weiterhin stark negativ. Rücklagen zu bilden ist damit fast unmöglich. Mit 42,3 Prozent der Unternehmen überwiegt klar der Anteil der Pessimisten, die einen Gewinnrückgang erwarten. Knapp ein Fünftel der befragten Firmen (19,6 Prozent) rechnet mit einem Ertragszuwachs.

Das Zahlungsverhalten der Kunden hat sich verschlechtert. Mehr Unternehmen als im vergangenen Jahr klagen über hohe Forderungsausfälle. Nur noch 37,8 Prozent (Vorjahr: 44,4 Prozent) der befragten Unternehmen geben dem Zahlungsverhalten ihrer Kunden gute Noten. Im Herbst 2008 verbuchten noch drei Viertel (74,3 Prozent) der Mittelständler den Forderungseingang innerhalb der üblichen Frist von bis zu 30 Tagen. In diesem Jahr sind es nur 70,9 Prozent. Jeder Achte (12,9 Prozent; Vorjahr: 9,5 Prozent) musste Forderungen in beträchtlicher Höhe (über 1,0 Prozent bezogen auf den Umsatz) als Verlust ausbuchen.

Durch die Krise sinken die Eigenkapitalquoten im Mittelstand. Bei jedem Dritten (33,1 Prozent; Vorjahr: 31,9 Prozent) beträgt das Eigenkapital weniger als zehn Prozent an der Bilanzsumme. Knapp ein Viertel der Betriebe (24,5 Prozent; Vorjahr: 26,9 Prozent) ist mit Eigenkapitalquoten von über 30 Prozent sehr solide finanziert.

Insolvenz des Kunden: Personalabbau bei Zulieferern

Fünf Prozent der Mittelständler mussten im ersten Halbjahr 2009 Personal abbauen, weil Geschäftspartner insolvent sind. Im Verkehrs- und Logistiksektor ist schon jeder Zehnte betroffen (10,1 Prozent). Wenn Kapazitäten aufgrund von Kundeninsolvenzen abgebaut wurden, trennte sich jeder Dritte (36,4 Prozent) von mehr als fünf Mitarbeitern. Im Mittelstand sind so bereits rund 140.000 Arbeitsplätze weggefallen.

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Wirtschaftslage Mittelstand, Herbst 2009 (Presseinformation)
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